RE:Charge & RE:Set - die Kunst der Pause
- Katharina Muck
- 7. März
- 6 Min. Lesezeit

Vielleicht mal vorweg: Ich bin nicht besonders gut mit Pausen. Bis jetzt. Vermutlich ist das genau der Grund, warum ich mich damit intensiver beschäftige. Ich neige dazu, meine Tage so vollzupacken, dass ich irgendwann zusammenklappe und mich dann komplett rausziehen muss. Ich laufe mich bis zum Wochenende leer – und dann will ich eigentlich nur noch liegen und gar nichts mehr tun. Früher habe ich mir ein Meeting nach dem anderen in den Kalender gepackt und dachte, mein Gehirn müsse funktionieren wie ein Hochleistungsrechner – ständig aktiv, ohne Pause. Doch das funktioniert nicht. Pausen sind essenziell. Sie sollten stattfinden, bevor wir kollabieren, damit wir unsere freie Zeit auch wirklich genießen können. Und es gibt verschiedene Arten von Pausen: körperliche, geistige und emotionale.
Der Check-in mit dir selbst - wie geht's dir denn - also wirklich?
In meinen Yogastunden leite ich immer wieder dazu an, bewusst in diese drei Ebenen (körperlich, emotional und geistig) hineinzufühlen. Denn wir können körperlich topfit, aber geistig erschöpft sein. Oder emotional voller Energie, aber körperlich müde. Je nachdem haben wir unterschiedliche Bedürfnisse – und brauchen andere Pausen.
Tipp: Nimm dir einen Moment, um bewusst in dich hinein zu spüren. Wie geht es dir – körperlich, geistig und emotional? Stell dir vor, du hättest drei Akkus. Auf wie viel Prozent sind sie jeweils geladen? Alles zwischen 75-100 % ist gut, 50-75 % bedeutet, eine kleine Pause wäre sinnvoll. Bei 25-50 % solltest du dringend für dich sorgen. Und alles darunter heißt: Du hast es übertrieben. Witzigerweise achten wir penibel darauf, dass unser Handy nicht unter 25 % Akkuladung fällt. Aber bei uns selbst...
RE:Charge: Körperliche Pausen
Fangen wir mit dem offensichtlichsten an: unserem physischen Körper. Hier akzeptieren wir meistens, dass Pausen notwendig sind. Wenn wir Sport machen, wissen wir, dass die Muskeln Erholung brauchen. Beim Wandern legen wir selbstverständlich eine Rast ein. Doch wenn es um den Alltag geht, vergessen wir, dass auch unser Körper regelmäßige Erholung braucht.
Interessanterweise ist unser ganzer Organismus auf Pausen ausgelegt. Unser Herzschlag, unser Atem – sie basieren auf einem Wechsel von Anspannung und Entspannung. Ohne Schlaf (der größten Pause) würden wir nicht überleben. Muskeln wachsen nicht während der Anspannung, sondern in der Pause danach... Selbst unser Immunsystem braucht die Pause Nachts, um die Abwehr Tagsüber zu stärken.
Tipp: Dein Atem ist dein bester Indikator. Wenn du außer Atem bist, ist das ein Signal, langsamer zu machen. Genauso kann dein Atem dir helfen, dich wieder zu regulieren: Eine bewusste, tiefe Ein- und Ausatmung kann Wunder wirken.
RE:Charge: Emotionale Pausen
Unser Atem gibt uns aber nicht nur ein Signal, wenn körperlich Zeit für eine Pause wird, auch emotional ist der der Schlüssel für mehr Gelassenheit. Wir alle kennen den Satz: „Atme erst mal tief durch.“ Und genau das ist oft die beste Strategie, wenn wir von Gefühlen überrollt werden. Denn Emotionen sind nichts anderes als bewegte Energie. Das Problem: Wir reagieren oft zu schnell darauf – quasi ohne Pause - und schicken dann zum Beispiel eine wütende Nachricht, die wir später bereuen. Also nimm dir auch hier eine bewusste Pause zwischen dem was passiert, und deiner Reaktion. Wenn wir lernen, diesen Moment zu nutzen, können wir bewusst entscheiden, wie wir agieren – statt nur impulsiv zu reagieren.
Und dass wir nicht sofort reagieren sollten, wissen wir natürlich längst. Warum halten wir uns da nicht dran? Der Grund ist so einfach wie entlarvend: Wir ertragen unangenehme Situationen nicht. In dem Moment, in dem wir getriggert werden, haben wir das Gefühl, sofort reagieren zu müssen – den Ball direkt ins andere Feld zurückzuspielen, damit er nicht bei uns bleibt. Doch wenn wir eine Pause einlegen, bedeutet das, diese Situation erst einmal auszuhalten. Es geht um bewusstes Durchatmen, nicht ums schnelle Wegatmen. Der Vorteil -Wenn wir das schaffen, wenn wir uns diese sechs bis zehn Sekunden Zeit lassen, dann ist die erste Emotion bereits durch den Körper geflossen. Und erst dann können wir viel bewusster und reflektierter entscheiden, wie wir handeln – also agieren – wollen.
Tipp: Eine Emotion braucht etwa sechs Sekunden, um einmal durch den Körper zu fließen. Erlaube dir diese sechs Sekunden. Atme fünf Sekunden ein, fünf Sekunden aus – und schon ist die erste Welle abgeklungen.

RE:Charge: Geistige Pausen
Wir behandeln unser Gehirn oft wie einen Computer, den wir morgens hochfahren und abends wieder ausschalten. Und dann erwarten wir, dass das perfekt funktioniert – auf Knopfdruck. Leider läuft das nicht ganz so... Genau wie unsere Muskeln und unsere Emotionen braucht auch unser Geist Pausen. Kleiner Spoiler: Ins Handy zu schauen ist keine Pause. Im Gegenteil. Die ständige Informationsflut fordert unser Gehirn enorm. Eine echte geistige Pause bedeutet, den Input bewusst zu reduzieren. Das kann ein Spaziergang sein, ein paar Minuten Stille oder einfach mal aus dem Fenster schauen. Der Vorteil – danach ist dein Gehirn auch wieder leistungsfähiger und bereit neue Lösungen zu finden.
Tipp: Gönne deinem Gehirn morgens einen sanften Start – nicht direkt Social Media oder Mails checken. Und abends eine Art Cool-down, statt noch den nächsten Serienmarathon zu starten oder zu versuchen, TikTok leer zu schauen...
RE:Charge – Schlaf als Pause für alle drei Ebenen
Schlaf ist unsere wichtigste Pause. Unser Gehirn verarbeitet dabei, was es am Tag erlebt hat, aufgestaute Gefühle und Emotionen können sich lösen, und unser physischer Körper darf entspannen. Es stimmt also tatsächlich, was wir oft sagen: Am nächsten Tag sieht alles anders aus. Weil wir die Dinge dann mit einem neuen Blick – durch eine neue Brille – betrachten.
Wichtig ist: Nach einer normalen Nacht sollten wir uns erholt fühlen. Wenn du jedoch über längere Zeit morgens schon erschöpft oder ausgelaugt aufwachst, ist es ein klares Zeichen, dass du Unterstützung brauchst.
Zurück zum gesunden Schlaf: Studien zeigen, dass Erwachsene zwischen sieben und neun Stunden Schlaf benötigen. Besonders wichtig ist dabei der Schlaf vor Mitternacht. Das bedeutet, dass sieben Stunden Schlaf von 22:00 bis 5:00 Uhr eine ganz andere Qualität haben als sieben Stunden von 00:00 bis 7:00 Uhr. Unser Körper liebt Gewohnheiten – versuche daher, möglichst immer zur gleichen Zeit schlafen zu gehen. Es geht nicht um Minuten, aber um ein regelmäßiges Zeitfenster von etwa einer Stunde. Ebenso wichtig ist es, jeden Tag zur gleichen Zeit aufzustehen – egal ob Wochenende oder nicht.
Wenn du jede Nacht zwischen sieben und neun Stunden schläfst und auch tagsüber auf deine Pausen achtest, brauchst du am Wochenende keinen zusätzlichen Schlaf. Im Gegenteil: Dann hast du genug Energie, um deine Wünsche zu verwirklichen, schöne Erlebnisse zu genießen und wertvolle Zeit mit deinen Lieblingsmenschen zu verbringen.
Re:Set – Wenn du eine Pause brauchst, dann...
Wenn du dich oft erschöpft fühlst, dann fang an, deine Pausen ernst zu nehmen. Und ersetze den Satz „Ich bin echt erschöpft“ durch „Ich bin erschöpft, also werde ich jetzt…“ – und füge eine bewusste Handlung hinzu. Damit übernimmst du wieder die GestalterInnenrolle – was an sich schon beruhigend für unser Nervensystem ist...
Tipp: Mach dir eine Liste mit Dingen, die deinen persönlichen Akku aufladen – emotional, geistig und körperlich. Was hilft dir? Erstelle diese Liste in einem entspannten Moment, damit du sie parat hast, wenn du sie brauchst, und dich nicht zusätzlich damit belasten musst, neue Lösungen zu finden.
Re:Set Day
Und zu guter Letzt: Nimm dir die Zeit und skizziere deinen perfekten Tag. Wie würdest du gerne jeden Tag leben, wenn du keine Verpflichtungen hättest und kein Geld verdienen müsstest? Mach das für jede Jahreszeit und für jede Wettersituation. Gestalte Tage, auf die du so richtig Lust hast – und dann erlaube dir jeden Monat einen Re:set Day, an dem du genau das tust. Ein Tag ohne Handy, maximal für Fotos, aber nicht zum Posten. Ein Tag, an dem es nur darum geht, dich voll und ganz aufzuladen. Und jetzt plane diesen Tag explizit in deinem Kalender ein. Sollte er aus irgendeinem Grund nicht stattfinden können, weil du krank bist oder etwas Unaufschiebbares dazwischenkommt, dann verschiebe den Reset Day – aber lass ihn nicht ausfallen. Du bist wichtig. In Wahrheit bist du sogar viel wichtiger als all die anderen Termine in deinem Kalender.

Zum Abschluss – und als Anreiz deine Pausen ernst zu nehmen
Wenn unsere eigene Batterie unter 50 % sinkt, bedeutet das auch, dass wir in Momenten mit geliebten Menschen oder in wichtigen Situationen nur die Hälfte unserer Kapazität zur Verfügung haben. Wenn wir unsere Pause erst dann einlegen, wenn wir eigentlich wertvolle Zeit mit anderen verbringen wollen, sind wir bereits leer gelaufen – und sollen diesen Moment dann noch genießen?
Wirklich bereichernde, tiefgehende Begegnungen entstehen aber nur, wenn wir in unserem besten Zustand sind – wenn wir die beste Version unserer selbst sind. Und genau diese beste Version möchte doch eigentlich mit den Menschen, die sie liebt, in Kontakt treten. Deshalb ist es essenziell, sich vorher aufzuladen.
Eine Pause ist kein Zeichen von Faulheit, sondern von Selbstfürsorge und Wertschätzung deines Gegenübers. Und je früher du sie dir gönnst, desto weniger Zeit brauchst du, um dich wieder aufzuladen.
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